Illegale Vogelverfolgung in Nord- und Mitteleuropa

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Regulus
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Illegale Vogelverfolgung in Nord- und Mitteleuropa

Beitragvon Regulus » Di 19. Dez 2017, 12:23

Hallo zusammen,

https://www.birdguides.com/news/new-research-highlights-extent-of-european-bird-killing
Dieser Onlineartikel und die zugrundeliegende wissenschaftliche Veröffentlichung (Link im 1. Absatz) widmen sich ausführlich der illegalen und z.T. auch legalen Vogelverfolgung außerhalb des Mittelmeerraumes - genauer gesagt in Nord- und Mitteleuropa plus Kaukasus.
Zugegebenermaßen kein erquickliches Thema, aber wichtig. Und der reine Blick auf Länder wie Malta, Zypern, Italien und Ägypten erweist sich als sehr einseitig - u.a. aus deutscher Sicht.

Gruß Gaby
Alles rund um Vogelbeobachtung: http://www.letsbird.com

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OhWeh
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Re: Illegale Vogelverfolgung in Nord- und Mitteleuropa

Beitragvon OhWeh » Di 19. Dez 2017, 13:43

Danke!

Ich habe mir den Originalartikel mal als PDF heruntergeladen, der Link hierfür:
https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/DE4D06F3BD4273B94FD3C9621C615A0A/S0959270917000533a.pdf/illegal_killing_and_taking_of_birds_in_europe_outside_the_mediterranean_assessing_the_scope_and_scale_of_a_complex_issue.pdf

Was mir als erstes ins Auge sticht ist die Übersichtstabelle und da: 25% der 310 bei uns in Deutschland regelmäßig vorkommenden Arten werden illegal getötet bzw. gefangen. Insgesamt ca. 100.000 Vögel pro Jahr.

Den traurigen Rest hebe ich mir als Weihnachtslektüre auf.

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Re: Illegale Vogelverfolgung in Nord- und Mitteleuropa

Beitragvon s.engel » Di 19. Dez 2017, 16:01

als Zusatzlektüre ist aber auch diese Betrachtung sinnvoll:
https://www.riffreporter.de/flugbegleit ... erfolgung/
https://www.riffreporter.de/flugbegleit ... jagd-nabu/

Es ist unglaublich schwierig, sinnvolle Zahlenschätzungen zu machen wenn die Datengrundlage so dünn ist. Insofern sehe ich den BirdLife Artikel als einen wichtigen Versuch, das Problem in den Blick der Allgemeinheit zu rücken, würde aber nicht zu viel auf die absoluten Zahlen geben (was eigentlich schon logisch ist, wenn man sich die Spanne der Schätzungen ansieht).

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Regulus
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Re: Illegale Vogelverfolgung in Nord- und Mitteleuropa

Beitragvon Regulus » Di 19. Dez 2017, 16:51

Lieben Dank, Sophia, v.a. der 2. RiffReporter-Artikel bringt Licht ins angeschnittene Thema und relativiert einiges, was in der Birdlife-Studie zu lesen ist.
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OhWeh
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Re: Illegale Vogelverfolgung in Nord- und Mitteleuropa

Beitragvon OhWeh » Di 19. Dez 2017, 17:25

Mmmh, das ist das zweite mal, dass mir eine Studie vom NABU unterkommt (bzw. vom NABU in Auftrag gegeben) die vollkommen unseriös ist. (Bei der anderen ging es um CO2-Ausstoß bei verschiedenen Arten, Strom zu erzeugen, bei der u.a. Biogasanlagen mit Null CO2-Emission angegeben waren)

Da die deutschen Daten in der Veröffentlichung auch noch als am verlässlichsten von allen eingestuft werden (mit 1,8 von möglichen 3 Punkten) ... kann ich über Weihnachten also was anderes lesen.

Davon abgesehen, ist es aber unbestritten:
dass die Ausbildung der Jäger (Artenkenntnis bei Enten z.B.) nicht standardisiert ist (also vom jeweiligen Lehrjäger abhängt) und meist völlig unzureichend ist (es sei denn die Jäger lernen freiwillig mehr)
dass es immer noch genug Idioten gibt, die Greife totschießen (bzw. Horst zerstören), weswegen ja bei ornitho.de seit 1.1.2017 alle Greifvogelmeldungen ab A2 (!) automatisch geschützt werden (außer Mäusebussard da B5)
dass es auch in Deutschland jede menge A..löcher gibt, die Tierarten fangen und verkaufen (egal ob Singvögel, Ampibien, etc. ) und das einen Einfluss auf die Bestände hat

Will sagen: es ist sehr wohl angebracht im eigenen Land etwas gegen Vogelmord zu tun. (Und gegen Bleimunition als indirekten Vogelmord)

Es gibt aber auch jede Menge Jäger, die Naturschützer sind.

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Re: Illegale Vogelverfolgung in Nord- und Mitteleuropa

Beitragvon OhWeh » Di 19. Dez 2017, 23:39

Nachtrag - Was meiner Meinung nach überhaupt nicht geht:

Der NABU verweist auf die Studie https://www.nabu.de/news/2017/10/23321.html als wäre es eine externe Studie. Mit keinem Wort wird darauf eingegangen, dass die deutschen Daten in der Studie vom eigenen "NABU-Vogelschutzexperten" Lars Lachmann kommen, der ja rechts oben auf der Website als "Ansprechpartner" genannt wird.

Zumindest für mich liest sich da so, dass der NABU da eine Studie von einer externen Stelle zitiert. (Wird nicht ausdrücklich so gesagt, aber für meine Begriffe impliziert)

"Bis zu 146.000 illegal getötete Vögel jedes Jahr in Deutschland
BirdLife-Studie offenbart Ausmaß von Vogelverfolgung in Europa"

Lachmann (der Autor des Website-Textes, vermute ich mal stark) geht zwar auf seine eigenen Schwächen ein:

"Bei den deutschen Zahlen entfallen allein 50.000 bis 100.000 auf bei der Jagd versehentlich abgeschossene geschützte Wasservogelarten. Darauf weisen punktuelle Nachprüfungen geschossener Vögel hin. Doch wie hoch genau der Anteil geschützter Arten bei der Wasservogeljagd ist, müsste genauer untersucht werden."

"..und die Methodik (informierte Schätzung) der vorliegenden Studie unterscheiden sich daher deutlich von anderen ornithologischen Studien, die im Regelfall auf empirisch erfassbaren und erfassten Daten basieren, etwa die Zähldaten von Vogelbeständen."

Aber er sagt mit keinem Wort, dass die (von ihm selbst kritisierte) Datenschätzung (Hochrechnung von 3 illegal geschossenen Enten auf 100.000 illegale Wasservogeltötungen), die Mitautorenschaft bei der Veröffentlichung, der Text auf der NABU-Website auf den selben Menschen, nämlich ihn, beruhen.

Sprich: man kann ihm/dem NABU nicht nachsagen, dass er nicht auf die pro forma Schwächen hingewiesen hat. Aber das alles so formuliert, dass für meinen Geschmack das Ganze hochgradig unseriös ist.

So was macht den NABU unglaubwürdig, beschädigt den Ruf, finde ich. Das darf nicht passieren. Vom LBV habe ich so was zum Glück noch nicht gesehen.


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